"Zeit ist menschliches Leben." UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler
Ziegler auf die Frage: Sehen Sie in unserem europäischen Umfeld, vor dem Hintergrund der charakterisierten großen Linien, irgendeinen Aspekt als besonders wichtig an?
Ziegler:
Das Grundeinkommen! In einer Welt, in der die Bedeutung der Erwerbsarbeit immer mehr abnimmt, ist es eine der dringlichsten Ideen überhaupt. Die Arbeitslosigkeit wird steigen und es ist längst nicht mehr sicher, dass jeder immer Arbeit hat. Aber es ist in jedem Fall sicher, dass der Mensch immer essen muss! Das Grundeinkommen verhindert, dass ein Mensch in Existenzangst zurückgeworfen wird und verzweifelt. So gesehen ist ein geregeltes Grundeinkommen auch ein Beitrag zur Verteidigung der Demokratie, des Gesellschaftsvertrags und eigentlich
der Zivilisation insgesamt.
Wie alle Medien übereinstimmend berichten,
hat der neugewählte Präsident der USA den
Chef der Fed (Federal Reserve System)
zu seinem Finanzminister ernannt. Die Fed
ist eines der großenteils in Privathand befind-
lichen weltgrößten Banksysteme, welches Geld
aus dem Nichts zu schöpfen vermag.
11/2008
Wie allgemein bekannt, aber nicht jedem bewußt,
ist unser gegenwärtig amtierender Bundespräsident
vorher Direktor des IWF (Internationaler Währungsfond)
gewesen. Sich mit dem IWF näher zu befassen,
ist aller Bewußtseinsbildung wert. 11/2008
Wenn Geld nicht dient, sondern herrscht und zerstört, gilt:
Es ist in vielen Dingen eine schlimme Sache um
die Gewohnheit. Sie macht, dass man Unrecht
für Recht und Irrtum für Wahrheit hält. G. C. Lichtenberg (Aphorismen)
Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf
Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!
Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.
Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.
Trifft´s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut.
Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.
Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.
Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!
Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.
Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird ein bisschen Krieg gemacht.
Fälschlicherweise Kurt Tucholsky zugeschrieben,
aber tatsächlich
von
Richard Kerschhofer alias Pannonicus verfaßt.